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Bis vor circa einem Jahr habe ich in Frankfurt den „Dialog der Generationen“ (eine Diskussionsreihe für Lesben) moderiert. Bei einem Treffen stellten sich drei Frauen als queer vor. Zum gegenseitigen Unverständnis waren es gleich drei verschiedene Verständnisse von Queer: Für Eine stellte Queer ihre Form des Begehrens dar, die Zweite rechnete sich der LGBT(I)Q-Community zu und die Dritte war eine queere Femme. Ehrlich gesagt rühme ich diese Situation als meine Moderationsbestleistung, denn so eindeutig, wie hier beschrieben, war es im Gespräch keineswegs. Alle bezeichneten sich mit Fug und Recht als queer und nur im fortfolgenden Gespräch wurde langsam klarer, dass sie nicht das Selbe betitelten. Es war nur schließbar, wenn es für möglich gehalten wurde, dass Queer ungleich Queer sein könnte.

Die „Queer-Community“ bleibt einer Definition von Queer meistens schuldig. Ich persönlich neige dazu, die Selbstbezeichnung queer als „Befreiung von…“ zu lesen. Die Pünktchen kann ich erst im Gespräch ersetzen, sei es durch Geschlechterbinarität, Heteronormativität, Geschlechterrollen, Privilegien,…

Die Ung-Endung ist bewusst gewählt, denn häufig ist Queer das Prozesshafte eigen (und damit wird auch verständlich warum Intersektionalitäts-Konzepte häufig mit Queer-Konzepten Händchen halten). Queer eignet sich schlecht in einem Gedankenkonstrukt wie „Und ich wachte eines Morgens auf und stellte fest, dass ich queer bin“. Queer ist vielmehr die Bereitschaft zur Reflektion, im weitesten Umkreis zu Geschlechterfragen. Wie weit die Reflektion geht ist eine Frage der Interessenslage der Individuen. Selbstverständlich gibt es Streit à la „queer, queerer, am queersten“, also wer sich queer nennen darf und wer nicht. Doch für mich als Außenstehende ist das wenig relevant. Für mich ist die Selbstbezeichnung „queer“ eine Arbeitsgrundlage, ein Punkt vom dem ich Diskussionen zu Politik, Feminismus, Dekonstruktivismus starten kann. Starten nicht Enden! Genauso wenig wie die Selbstbezeichnung Feminist_in etwas darüber aussagt, wie die Person zur Frauenquote steht, sagt die Selbstbezeichnung Queer etwas über deren Sexualität oder Geschlechtszuordung aus.

Wenn queer-kritische Feministinnen zu Queer Stellung beziehen wird meist erst aus dem Kontext klar, was gemeint ist. Das liegt einerseits daran, dass wenig Beschäftigung mit den Varianten von Queer erfolgte und andererseits daran, dass auch „die Queers“ sich nicht allzeit erkennbar bewusst machen, dass sie den Begriff mit vielen Menschen teilen.

Meine Vorschläge für einen gelungenen Dialog zwischen Queers und Nicht-Queers

  • Solange nicht im Konsensverfahren aller Menschen mit der Selbstbezeichnung Queer herausgefunden wurde, was Queer ist, sollten Außenstehende das auch nicht für diese beschließen.
  • Nur weil der Begriff Queer fällt, heißt das nicht, dass alle Queers gemeint sind. Also Unterschiedlichkeit bennen, statt eine andere Defintion von Queer vorschlagen.

Mein besonderer Dank geht an heiter scheitern, die mir beim Schreiben dieses Textes immer wieder einfielen und ich daher vermutlich Einiges von ihnen entlehnt habe.

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