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Der Mainzer Frauennotruf war kurz nach der Gründung 1979 bundesweit in vieler Munde. Sie entschlossen sich 1980 ein Forschungsprojekt zu „Vergewaltigung als soziales Problem“ zu stemmen, suchten dafür nach Geld und das Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit sprang als Einzige_r darauf an. Nach einigem Hin und Her nahm die Mainzerinnen das Geld an und zogen das Projekt zwischen September 1980 und März 1983 durch.

„Es war neu in der Frauenbewegung, daß die Arbeit in einem Projekt nicht mehr ehrenamtlich (…) geleistet wurde, sondern das sich Frauen ihren Lebensunterhalt damit verdienten. Die Tatsache, daß das Forschungsprojekt durch eine staatliche Institution (…) finanziert wurde, führte zu heftigen Auseinandersetzungen mit den anderen Notrufgruppen, die inzwischen in Deutschland entstanden waren.“ (S. 59)

Neben einigen „Nebenschauplätzen“ rund um den Umgang mit Medien und Missverständnisse wurden erbitterte Diskussionen um die Frage nach staatlicher Förderung geführt – denn bis heute heißt „Staatsknete“ auch immer staatlicher Einfluss. Insbesondere Frauen des Berliner Notrufs lehnten finanzielle Unterstützung durch den Staat ab, da u.a. dies zu einer Spaltung der Frauenbewegung „In den Teil, der die Bewegung aufbaut. Und den anderen Teil, der sie vermarktet.“ (S.59) führe.

Zu den Kritikpunkten gehörten:

  • „An die Finanzierung sind Bedingungen gestellt! Welche! Frau muß bestimmt Zugeständnisse machen!“
  • „Durch das Projekt erhält der Staat Einblicke in die Arbeit der autonomen Frauenbewegung/Projekte!“
  • „Die Mainzerinnen betreiben systemstabilisierende Arbeit! Staatsfemis!“
  • „Durch den Abschlußbericht wird Information weitergegeben!“
  • „Mainzer Notrufartikel erscheinen in der Presse, Berichte anderer Notrufgruppen nicht“ (alle Zitat auf S. 59)

„Im März 1981 erschien der „offene Brief an den Mainzer Notruf“ in der Courage (Courage 4/81, S. 50). In ihm wurden die (…) Konfliktpunkte aufgeführt und (…) der Ausschluß des Mainzer Notrufs gefordert. Unterschrieben war der Brief von den „Notrufgruppen der BRD“.“ – Letzteres war nicht umfassend richtig. Vier Monate später fand ein „nationaler Notruftreff“ (S. 59) in Kassel statt. Dort bezogen die Mainzerinnen zu den Kritikpunkten Stellung, schlugen vor „die Diskussion öffentlich in der „Emma“ und der „Courage“ fortzusetzen“ (S.59),fanden jedoch keinen Kommunikationsbasis, verließen das Treffen frühzeitig und verfassten eine Stellungnahme. „Die anderen Notrufgruppen verfaßten das „Kasseler Papier“, in dem sie ihre Sichtweise kundtaten und erneut den Ausschluß der Mainzerinnen forderten.“ (S.61). Die Mainzerinnen gingen trotzdem weiterhin auf die nationalen Notruftreffen und beteiligten sich an „bundesdeutschen Aktionen“(S.61).

Die Notrufgruppen begleiteten die Mainzerinnen weiterhin mit ihrer Kritik, auf welche zwar von den Mainzerinnen reagiert wurde, jedoch „(sahen sie) In der Art und Weise der Kritik (…) den üblichen, denunzierenden Umgang mit ihrer Gruppe“ (S.61).

(Alle Zitate und die Inhalte aus „20 Jahre Frauenzentrum Mainz. 1974-1994.“, herausgegeben vom Frauenzentrum Mainz e.V.)

Was können wir aus der Geschichte lernen?

Wir können uns die Kritik anschauen und sie richtig finden, denn die Machtverteilung ist so sehr von Geld und (staatlicher/gesellschaftlicher) Anerkennung abhängig. Wir können uns die Finanzierung der Arbeit der Mainzerinnen anschauen und sie richtig finden, denn unbezahlte Arbeit ist nicht nur eine gesellschaftliche Wertbeimessung, sondern stellt auch ein Klassismus-Problem dar.

Wir können uns auch den Konflikt und den Umgang damit anschauen und uns fragen: „Was würden wir anders machen?“, „Was können wir nachmachen?“ und „An welchen Punkt der Eskalation wollen wir nicht kommen?“

Wir können versuchen uns in die Situation damals reinzudenken und uns fragen: „Hätten wir damals gedacht, dass dies 30 Jahre später noch behandelt wird?“

Was sind Eure Fragen und Antworten, egal ob ihr damals schon gelebt habt oder nicht?

Edit 12.12.2011, 17:08 Uhr: Quatsch-Wörter entfernt

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