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Gestern war auf Arte Themenabend zum internationalen Frauentag, dessen Titel ich hier nicht wiederholen werde. Zwei Dokumentationen wurden gezeigt, „Die Herrschaft der Männer“ und „Rebellisch, kämpferisch. Die Suffragetten“. Die erste Dokumentation erweckte den Eindruck, sich mit der Vorherrschaft der Männer auseinanderzusetzen und ich fand das spannend, denn wie setzen sich Männer eigentlich damit auseinander? Bauchschmerzen bereitete mir nur, dass sie diese vermeintlich Männer-zentrierte Doku zum internationalen Frauentag bringen. Nach der Doku war ich diese Bauchschmerzen los, nur unglücklich darüber, dass auch dies eben keine Dokumentation über Männer war, sondern über Frauen. Mit der zweiten Dokumentation verkleinerte ich meine klaffende Bildungslücke zu den Suffragetten, die mir wie so viele Frauenbewegungen/sprojekte vor Augen führte, dass es einfach nicht reicht, nur den Mund aufzumachen.

Vor diesen Projekten ist Antje Schrupps Frage, warum zum Frauentag eigentlich immer die selben Probleme thematisiert werden, einfach keine Neue. Es erinnert mich nur daran, wie zu einer Frauentagsdemonstration in Mainz vor drei Jahren, die Auflage der Polizei erfüllt wurde, auf einer Hauptverkehrsstraße den Bürgersteg zu benutzen. Die fortwährende Hoffnung das Kooperation eine Gesprächs- und damit Gesellschaftsveränderungsgrundlage bringt, hat weder vor 100 Jahren funktioniert noch sind wir offensichtlich jetzt soweit – sonst wären nicht die gleichen Themen immer und immer und immer wieder in den Medien. Das bedeutet übrigens nicht, dass wir die Kommunikatorinnen nicht brauchen – doch wir brauchen auch die, die die beidseitige Kooperation notwendig machen.

Vor diesem Hintergrund habe ich drei Vorsätze für das neue Jahr gefasst:

1. Keine Scham aufgrund fehlender Zuständigkeit

Ich fühle mich seit Jahren nicht für Männer zuständig, doch schäme ich mich dafür, dies offen kund zu tun. Es klingt einfach nicht nett und macht „unsympathisch“. Das liegt meines Erachtens vor allem daran, dass mir und vielen anderen Frauen beigebracht wurde und von uns erwartet wird, dass wir für Soziales zuständig sind.

Das zeigt sich z.B. daran, wenn Feministinnen gefragt werden, warum es eigentlich kein Männerreferat/Männerhaus/Männer(gesundheits)zentrum/Männerministerium/Männerbüro oder keinen Männerbeauftragen gibt. Warum sollten Frauen darauf eine Antwort wissen? Sie sind weder zukünftiges Personal noch zukünftige Zielgruppe. Die Frage delegiert das mögliche Problem an Frauen, doch sind sie nur dann zuständig, wenn sie eben für alles Soziale zuständig ist.

Zumindest Feminist_innen lernen aus der Frauenbewegung wie sie z.B. ein Frauenhaus gründen: Mobilisierung, Öffentlichkeitsarbeit, Demonstrationen, Haus besetzten, unbezahlte Arbeit, schlecht bezahlte Arbeit, Protest und noch mehr Demonstrationen und Öffentlichkeitsarbeit. Irgendwann mehr oder minder öffentlich finanzierte Frauenhäuser, unter Dauerabschaffungsbedrohung.

Also geehrte Frager, Geschichtsbücher zücken – das haben schon die Suffragetten getan, dass schafft auch ihr. Nur Frauen sind nicht zuständig, die Arbeit müsst ihr selber machen. Vor allem ich will das sehen: Das ihr nicht davon ausgeht, dass Euch alles geschenkt wird, sondern dass ihr automatisch bereit seid, die Arbeit zu machen, die marginalisierte Gruppen auch leisten müssen und sie auch leistet.

Mein Vorsatz ist also, immer klar zu äußern, dass ich weder zuständig bin noch mich zuständig fühle. Spätestens zum 102. Frauentag will ich die Scham los sein.

2. Keine Nachsicht mit Männern

Für eine gerechte Gesellschaft brauchen wir den Willen und das Engagement aller Geschlechter und natürlich vor allem der Privilegierten. Nur bringt es einfach gar nix, deswegen Scheiße durchgehen zu lassen, weil „er sich ja bemüht“. Diese Nachsicht ist fehl am Platz, denn sie ist für keine Seite gut: Ich muss mir Scheiße anhören bzw. diese erdulden und der werte Herr bekommt es nicht mit. Kein guter Service für den jeweiligen Mann und kein schönes Leben für mich.

Mein Vorsatz für das neue Jahr ist also, jede Verfehlung mit Missachtung zu begegnen und, sollte es thematisiert werden, dies als Serviceleistung klar zu benennen. Missachtung ist genau die Form in der in meiner Welt auf „Unhöflichkeiten“ reagiert wird: Ich werde jeden Muskel meines Gesichts und die Stimmbänder entspannen sowie kurz und verhältnismäßig unbetont sprechen. In meiner Welt kann ich nicht jedem schlicht auf die Füße kotzen, aber ich kann „unsympathisch“ sein.
Ebenso verspreche ich, dass ich für jedes Mal, in dem ich dies nicht schaffe, sondern z.B. einen auf Sonnenschein mache, 5,00 € an das zu dem betreffenden Mann nächstgelegene Frauenzentrum/projekt spende. Weil ich’s mir leisten kann und weil dann diese mehr Arbeit mit dem Herrn haben werden.

3. Im nächsten Jahr keine männerbezogene Vorsätze

Nächstes Jahr werde ich neue Vorsätze fassen und diese werden nicht auf Männer bezogen sein.

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