Datenrückblick 2011

Die WordPress.com Statistikelfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2011 an.

Hier ist eine Zusammenfassung:

Eine Cable Car in San Francisco faßt 60 Personen. Dieses Blog wurde in 2011 etwa 2.500 mal besucht. Eine Cable Car würde etwa 42 Fahrten benötigen um alle Besucher dieses Blogs zu transportieren.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Die Nestbeschmutzerinnen & die Staatsfemis

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Der Mainzer Frauennotruf war kurz nach der Gründung 1979 bundesweit in vieler Munde. Sie entschlossen sich 1980 ein Forschungsprojekt zu „Vergewaltigung als soziales Problem“ zu stemmen, suchten dafür nach Geld und das Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit sprang als Einzige_r darauf an. Nach einigem Hin und Her nahm die Mainzerinnen das Geld an und zogen das Projekt zwischen September 1980 und März 1983 durch.

„Es war neu in der Frauenbewegung, daß die Arbeit in einem Projekt nicht mehr ehrenamtlich (…) geleistet wurde, sondern das sich Frauen ihren Lebensunterhalt damit verdienten. Die Tatsache, daß das Forschungsprojekt durch eine staatliche Institution (…) finanziert wurde, führte zu heftigen Auseinandersetzungen mit den anderen Notrufgruppen, die inzwischen in Deutschland entstanden waren.“ (S. 59)

Neben einigen „Nebenschauplätzen“ rund um den Umgang mit Medien und Missverständnisse wurden erbitterte Diskussionen um die Frage nach staatlicher Förderung geführt – denn bis heute heißt „Staatsknete“ auch immer staatlicher Einfluss. Insbesondere Frauen des Berliner Notrufs lehnten finanzielle Unterstützung durch den Staat ab, da u.a. dies zu einer Spaltung der Frauenbewegung „In den Teil, der die Bewegung aufbaut. Und den anderen Teil, der sie vermarktet.“ (S.59) führe.

Zu den Kritikpunkten gehörten:

  • „An die Finanzierung sind Bedingungen gestellt! Welche! Frau muß bestimmt Zugeständnisse machen!“
  • „Durch das Projekt erhält der Staat Einblicke in die Arbeit der autonomen Frauenbewegung/Projekte!“
  • „Die Mainzerinnen betreiben systemstabilisierende Arbeit! Staatsfemis!“
  • „Durch den Abschlußbericht wird Information weitergegeben!“
  • „Mainzer Notrufartikel erscheinen in der Presse, Berichte anderer Notrufgruppen nicht“ (alle Zitat auf S. 59)

„Im März 1981 erschien der „offene Brief an den Mainzer Notruf“ in der Courage (Courage 4/81, S. 50). In ihm wurden die (…) Konfliktpunkte aufgeführt und (…) der Ausschluß des Mainzer Notrufs gefordert. Unterschrieben war der Brief von den „Notrufgruppen der BRD“.“ – Letzteres war nicht umfassend richtig. Vier Monate später fand ein „nationaler Notruftreff“ (S. 59) in Kassel statt. Dort bezogen die Mainzerinnen zu den Kritikpunkten Stellung, schlugen vor „die Diskussion öffentlich in der „Emma“ und der „Courage“ fortzusetzen“ (S.59),fanden jedoch keinen Kommunikationsbasis, verließen das Treffen frühzeitig und verfassten eine Stellungnahme. „Die anderen Notrufgruppen verfaßten das „Kasseler Papier“, in dem sie ihre Sichtweise kundtaten und erneut den Ausschluß der Mainzerinnen forderten.“ (S.61). Die Mainzerinnen gingen trotzdem weiterhin auf die nationalen Notruftreffen und beteiligten sich an „bundesdeutschen Aktionen“(S.61).

Die Notrufgruppen begleiteten die Mainzerinnen weiterhin mit ihrer Kritik, auf welche zwar von den Mainzerinnen reagiert wurde, jedoch „(sahen sie) In der Art und Weise der Kritik (…) den üblichen, denunzierenden Umgang mit ihrer Gruppe“ (S.61).

(Alle Zitate und die Inhalte aus “20 Jahre Frauenzentrum Mainz. 1974-1994.”, herausgegeben vom Frauenzentrum Mainz e.V.)

Was können wir aus der Geschichte lernen?

Wir können uns die Kritik anschauen und sie richtig finden, denn die Machtverteilung ist so sehr von Geld und (staatlicher/gesellschaftlicher) Anerkennung abhängig. Wir können uns die Finanzierung der Arbeit der Mainzerinnen anschauen und sie richtig finden, denn unbezahlte Arbeit ist nicht nur eine gesellschaftliche Wertbeimessung, sondern stellt auch ein Klassismus-Problem dar.

Wir können uns auch den Konflikt und den Umgang damit anschauen und uns fragen: „Was würden wir anders machen?“, „Was können wir nachmachen?“ und „An welchen Punkt der Eskalation wollen wir nicht kommen?“

Wir können versuchen uns in die Situation damals reinzudenken und uns fragen: „Hätten wir damals gedacht, dass dies 30 Jahre später noch behandelt wird?“

Was sind Eure Fragen und Antworten, egal ob ihr damals schon gelebt habt oder nicht?

Edit 12.12.2011, 17:08 Uhr: Quatsch-Wörter entfernt

Rant: Die Mädchenmannschaft

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Die Mädchenmannschaft ist eine Plattform der Frauenbewegung. Spätestens seit der Gründung des Trägervereins Mädchenmannschaft e.V. und der Ausrichtung der Bloggermädchen-des-Jahres-Wahl ist die Mädchenmannschaft weit davon entfernt, einfach nur ein erfolgreicher Gruppenblog zu sein. Als Feministin und feministische Aktivistin habe ich damit nicht nur Interesse an der Mädchenmannschaft, sondern auch ein berechtigtes Interesse an Interna der Mädchenmannschaft. Jawohl, INTERNA.

Nehmen wir das Beispiel der Bloggermädchen-Wahl. Seit 2009 veranstaltet die Mädchenmannschaft jedes Jahr die Wahl des Bloggermädchen des Jahres. Dafür wird zunächst um Vorschläge von Allen gebeten, dann werden irgendwie 10-25 nominiert und dann darf abgestimmt werden. Warum gerade die Mädchenmannschaft diese Wahl durchführt… mir egal, von mir aus.
ABER: Die Auswahl der Nominierten ist im Besten Fall undurchsichtig. Es soll eigentlich nicht mehrfach vorgeschlagen werden, vermutlich damit die „Jury“ nach eigenem Gutdünken aussuchen kann. Nur was habe ich für ein Interesse daran, die Macht der „Jury“ zu stärken?
Stell ich mir so eine feministische Wahl vor? Nö. Mit Macht bewusst umzugehen ist ein wichtiger Aspekt des Feminismus und genau das ist der Grund, warum wir ein Recht auf die Interna haben – damit wir uns die Machtverteilung zumindest näher anschauen können.

Ich habe durchaus Verständnis für Interna, aber normalerweise würde ich bei verstärktem Interesse schlicht versuchen mich einzubringen. Da ist nur leider Hopfen und Malz verloren. Der einfachste und nachvollziehbarste Weg wäre in den Verein einzutreten. Doch nicht mal darüber verliert die Mädchenmannschaft ein Wort. Auf der Seite zum Verein können Infos „per E-Mail“ angefordert werden, aber hey, deren Spendenkonto ist sofort ersichtlich! KEINE SATZUNG ONLINE, ABER SPENDEN HABEN WOLLEN! Nicht mal das Vereinsregister ist genannt! Wo ist dieser Verein registriert? Adresse? Vorstand? Eintrittsbestimmungen?

Zudem: Die Mädchenmannschaft-Redaktion ist eine wichtige politische Gruppe im Feminismus, z.B. weil die von Ihnen ausgewählten Inhalte in ihren Artikeln Viele erreichen. Sie machen Politik. Dementsprechend verfolge ich jedes Fitzelchen, was ich an Informationen über Redaktionsgeschehnisse mitbekommen kann – denn was diese entscheiden und über was diese streiten und diskutieren, spiegelt sich in unserer feministischen Medienlandschaft wieder. Es ist genauso wichtig, wie sich mit den Positionen von Luise F. Pusch oder Alice Schwarzer zu beschäftigen.

Doch über Redaktions-Interna ist so gut wie nichts bekannt. Zum Beispiel: Hat sich die Mädchenmannschaftsredaktion Anfang des Jahres so sehr zerstritten, dass es zu einer Spaltung kam? Am 28.03.2011 kam folgende Meldung über den Äther:

Wir geben bekannt, dass Susanne Klingner, Barbara Streidl und Katrin Rönicke zum Ende dieses Monats die Mädchenmannschaft auf eigenen Wunsch verlassen haben und auch vom Vorstand des Mädchenmannschaft e.V. zurückgetreten sind.

Drei Redakteurinnen gehen und treten vom Vorstand zurück? Klingt verdammt nach Streit! Alle Drei sind jetzt bei Frau Lila. Klingt nach Spaltung! Keine Kommentare möglich, Fragen werden nicht beantwortet. Warum? Was ist da passiert? Warum sollte es nicht wichtig für die Frauenbewegung sein?

Es ist kein Geheimnis, ich war schon Gastbloggerin bei der Mädchenmannschaft und mein Unternehmen Lila Box vermarktet deren Werbeflächen. Beides hab ich gerne gemacht bzw. mache ich gerne. Ich find’s ein tolles Projekt, aber demokratisch ist es ein Desaster. Selbst diese interne Position gab/ gibt mir keinen Deut mehr an Information.

Lasst uns mit und über die Mädchenmannschaft reden. Das hier ist nicht mal ansatzweise abschließend.

Update 1: Um ein paar Links mehr Aufmerksamkeit zu geben, hole ich sie hier hoch:

Update 2: Ausgegliederte Diskussionen

Edit 06.12.2011, 19:13 Uhr: Rechtschreibfehler in Überschrift entfernt.
Edit 07.12.2011, 16:36 Uhr: Update 1 bis erster Punkt hinzugefügt.
Edit 07.12.2011, 18:25 Uhr: Update 1 zweiter Punkt hinzugefügt.
Edit 09.12.2011. 9:50 Uhr: Update 2 bis erster Punkt hinzugefügt.

Facebook einfach erklärt

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Suche Mitstreiter_innen für Verbesserungen, Erklärungsabschnitte usw.!

Du bist neu auf Facebook? Super! Schreib Deine Fragen nach der Lektüre dieses Textes bitte in die Kommentare!

Wenn’s um feministische Diskussionsräume geht, gehört für mich Facebook einfach dazu. Auf Facebook bekomme ich viel mit, was meine Mitstreiter_innen auch außerhalb von “Fachdiskussionen” interessiert, was sie in einem privateren Kreis besprechen wollen, usw. Ebenso sehe ich einerseits immer mehr tolle Menschen auf Facebook und andererseits sehe ich dort viele nicht. Für alle die, die neu auf Facebook sind, die Facebook nur halbwegs kapieren und diejenigen, die sich mit dem Gedanken eines eigenen Facebook-Accounts beschäftigen, hier meine Erklärungen zu Facebook. Weiterlesen »

Methoden der internen Gruppenorganisation

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Auf Treffen zumeist jüngerer Feminist_innen, wie dem Gendercamp oder dem ju_fem_netz-Treffen, habe ich die These entwickelt, dass einen Generationenunterschied in der Verbreitung von Gruppenorganisationsmethoden liegt. Daher hatte ich – zunächst für das feministische Zentrum – diesen Text zu Methoden der Gruppenorganisation geschrieben. Bis auf den Anfang und das Ende habe ich nichts geändert, um den Text hier erneut zu veröffentlichen.

Der Text ist nicht inhaltlich strukturiert, sondern geht eher nach meiner Annahmen über die Nachvollziehbarkeit der Gründe für die Organisationsmethoden. Hier mein „Best-of“ von Gruppenproblemen und „traditionelle“ Methoden, die versuchen damit umzugehen. Weiterlesen »

Kritik und Gruppendynamik

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Dieser Text erschien zuerst auf dem feministischen Zentrum. Ich veröffentliche ihn hier nochmal, da er einerseits zum hier publizierten Artikel “Methoden der internen Gruppenorganisation” gehört und andererseits einem zukünftigen Text über feministische Kommentarmoderation zumindest als Gedankenstütze dienen soll.

Die “Stillen” und die “Aggressiven”

Vorweg: Hier sind mit „Stille“ nicht die gemeint, die generell nicht so viel sagen, sondern nur die, die „zum Schweigen gebracht wurden“.
Ebenso sind mit „Agressive“ nicht die gemeint, die generell Probleme mit gewaltfreier Kommunikation haben, sondern diejenigen, die „in die Luft gehen“ und/oder unvermittelt „unbarmherzig“ formulieren.
Zudem sind „Stille“ und „Aggressive“ nicht unbedingt unterschiedliche Menschen, es geht um die Rolle, die Personen in der Gruppe einnehmen. Deutlich: Teilnehmer_innen können alle Rollen einnehmen. Weiterlesen »

Queer für Nicht-Queers

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Bis vor circa einem Jahr habe ich in Frankfurt den “Dialog der Generationen” (eine Diskussionsreihe für Lesben) moderiert. Bei einem Treffen stellten sich drei Frauen als queer vor. Zum gegenseitigen Unverständnis waren es gleich drei verschiedene Verständnisse von Queer: Für Eine stellte Queer ihre Form des Begehrens dar, die Zweite rechnete sich der LGBT(I)Q-Community zu und die Dritte war eine queere Femme. Ehrlich gesagt rühme ich diese Situation als meine Moderationsbestleistung, denn so eindeutig, wie hier beschrieben, war es im Gespräch keineswegs. Alle bezeichneten sich mit Fug und Recht als queer und nur im fortfolgenden Gespräch wurde langsam klarer, dass sie nicht das Selbe betitelten. Es war nur schließbar, wenn es für möglich gehalten wurde, dass Queer ungleich Queer sein könnte. Weiterlesen »

Diskussion zu Cissexismus

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Update 02.11.2011: Zu meinem Erschrecken ist dieser Text aktuell auf Platz 1 bei einer Googlesuche nach “Cissexismus”. Dem wird dieser Post jedoch nicht im Mindesten gerecht. Hier auf die schnelle ein Linktipp zum Weiterklicken: Kiturak, “Hass ist keine Geisteskrankheit” (Bitte auch die Links bei Kiturak beachten!).

Bei “Laut & Luise” hat die Diskussion zu Cissexismus angefangen. Jetzt geht die Diskussion unter meinem Post “(Un-)Freiwillige Demonstrationsobjekte” weiter. Dort würde ich jedoch lieber allgemeiner über Diskussionskultur sprechen.

Daher kann die Diskussion hier fortgesetzt werden. Weiterlesen »

(Un-)Freiwillige Demonstrationsobjekte:

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Luise F. Pusch, Kiturak, irgendeine userin und Anna-Sarah

Mit einer Diskussion zwischen Luise F. Pusch (fortfolgend lfp), Kiturak, irgendeine userin, Anna-Sarah und einer paar anderen auf dem Blog “Laut & Luise” von fembio.org möchte ich eine neue Reihe beginnen. In dieser Reihe werde ich versuchen Diskussionen zu analysieren, die ich oder Beteiligte mit einem feministischen Generationenkonflikt in einem Zusammenhang sehen.

In diesem ersten Fall wurde gleich mehrfach darauf aufmerksam gemacht, dass ein “Generationencrash” vorliegen könnte: Kiturak artikulierte, dass sie sich vorkomme wie ein “wie ein unfreiwilliges Demostrationsobjekt” (Disk. auf fembio.org, Kommentar “kiturak on 10/23 at 12:58 PM”) für meine Analyse feministischer Generationen und auf Kituraks Blog, unabhängig von Kituraks Verweis, auch von jay die Aussage, dass es “so eine Generationssache sein” könne (Link zu jays Kommentar).

Grundlage der Kommentardiskussion war lfps erster Teil ihrer Kritik am Gender_Gap. Nach meiner Lesart prallten gleich mehrfach Welten in der Diskussion aufeinander. Daher in Punkten: Weiterlesen »

Befreiung durch Bevormundung?

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Analyse feministischer Generationen mit Beispielen aus „Menschen bei Maischberger“

Lieber als pdf-Version lesen? Kein Problem!

Seit langem arbeite ich daran zu verstehen, was zwischen den feministischen Generationen eigentlich schief läuft. Immer wieder sehe ich Missverständnisse, absurde Diskussionsverläufe, aufschäumende Emotionen und frage mich „warum?“. In der letzten Septemberwoche sah ich all das in nur einer Talkrunde wieder, als ob diese extra für eine umfassende Analyse inszeniert worden wäre.

Alice Schwarzer, Sonya Kraus, Reyhan Şahin, Gisela Marx und Wolfgang Grupp waren letzte Woche bei Maischberger geladen, um über „Machofrauen – Müde Männer: Letzte Runde im Geschlechterkampf?“ zu diskutieren. Für mich war hier das Interview mit Schwarzer und die Diskussion rund um Grupp eher uninteressant, doch den Rest verwende ich fortfolgend als Beispiele. Ich habe mich bemüht die jeweiligen Sequenzen der Talkrunde für das Textverständnis ausreichend zu beschreiben, so dass die Sendung nach eigener Bedürfnislage angesehen werden kann.

In den Diskussionen zwischen den geladenen Frauen zeigten sich Verhaltensmuster, die mir die Gelegenheit geben, zu verdeutlichen, was ich als „Generationenkonflikt in der Frauenbewegung“ bezeichne. Weiterlesen »

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